Wussten Sie schon, dass Kaiserin Sisi großer Kneipp-Fan war?

Im Spätsommer des Jahres 1892 ließ Kaiserin Sisi Pfarrer Kneipp zu einer Konsultation nach München kommen, wie die Anfang des Jahres verstorbene Antonie Mayer in ihren Aufzeichnungen schrieb.

Mayer war eine Großnichte zweiten Grades von Kneipp, Kneippforscherin und Archivarin. Ihr Verdienst ist es, dass unzählige Begebenheiten aus den Lebzeiten von Sebastian Kneipp detailliert erhalten und viele seiner persönlichen Gegenstände im Sebastian-Kneipp-Museum in Bad Wörishofen zu sehen sind.


Die ‚Kneipp-Blätter‘ berichteten 1896 über die landauf, landab spürbare Begeisterung für Sebastian Kneipp und seine Lehre, die auch vor dem Hochadel nicht Halt machte. So steht geschrieben: „Die Inanspruchnahme des Herrn Prälaten steigt mit jedem Tage. Der Zuzug von Hilfesuchenden hält an, aber auch auswärts häufen sich tagtäglich die Gesuche um Uebersendung von Verordnungen. Es kommen sogar die Höchsten von den Höchsten und bitten um guten Rat. Auch die Träger von Kronen möchten lange leben und gesund sein. Und gerade diese bauchen es am meisten zum Wohle ihrer Unterthanen und Völker. Und wenn sogar eine Landesmutter [gemeint war Kaiserin Sisi], zu der Millionen mit Ehrerbietung und Stolz emporblicken, zum Vater Kneipp um ein ‚Rezept‘ kommt, dann muß unsere Lehre doch kein ‚roher Empirismus‘ sein.“

„Die hohe Frau hatte sich eine Consultation des Wörishofener Pfarrherrn in München erbeten“, wie Mayer den ‚Wörishofener Kur-Anzeiger‘ vom 7. September 1892 zitiert. Welche Erkrankung behandelt werden sollte, ist nicht überliefert. Bekannt ist aber, dass die Kaiserin des Öfteren gesundheitlich angeschlagen war und zahlreiche Kuraufenthalte in mehreren europäischen Kurorten verbrachte.

Sie vertraute als Patientin auf die ganzheitliche Naturheilkunde des Pfarrers und war seine treue Anhängerin. Deshalb verwundert es auch nicht, dass zwei Tage nach dem Mordanschlag auf die Kaiserin im September 1898 Bad Wörishofener Ortspfarrer Franz Xaver Zuckermaier eine Totenmesse mit bewegender Ansprache in der Pfarrkirche St. Justina abhielt, die überaus gut besucht war. Auch Dr. med. Alfred Baumgarten, Chefarzt im Kneippianum, änderte aufgrund des Trauerfalls das Thema seines Gesundheitsvortrags und erinnerte stattdessen an Sisi.

An Heiligabend vor 180 Jahren wurde Elisabeth Herzogin in Bayern und spätere Kaiserin von Österreich-Ungarn in München geboren. Der 24. Dezember fällt in diesem Jahr übrigens wie auch in Sisis Geburtsjahr auf einen Sonntag.

Text: Ingrid Bichler, Foto: Archiv Kur- und Tourismusbetrieb Bad Wörishofen

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