Widerstandskraft durch Abhärtung und Kälte

Echte Kneippianer wissen Bescheid: kalte Güsse, kalte Duschen und Wassertreten im kalten Wasser gehören für sie zum Alltag. Wo andere schon allein beim Gedanken an Kälte erschaudern, bleibt der Kneippianer kalt – aber natürlich nicht im Wortsinne. Denn tatsächlich reagieren die trainierten Gefäße des Kaltwassererprobten bei Anwendung sofort, weiten sich – der Körperteil, der mit dem kalten Wasser Kontakt hatte, wird gut durchblutet und erwärmt sich.

Diesen Effekt kennt jeder aus der Winterzeit. Man kommt nach einem Spaziergang in die warme Stube, die zuvor kalten Hände und Füße erröten plötzlich stark und man hat das Gefühl, als würde heißes Blut in Finger und Zehen schießen. Der Effekt entsteht dadurch, dass sich die Blutgefäße bei Kälte zusammenziehen und durch die Einwirkung von Wärme wieder weiten. Die umliegenden Nervenzellen, die in der Kälte in eine Art Ruhemodus schalten, werden wieder aktiviert, was wir als schmerzhaft empfinden.

Regelmäßiges hydrotherapeutisches (Therapie mit Wasser) Training setzt gezielt Reize, die diesen Effekt trainieren – das sogenannte Reiz-Reaktions-Prinzip. Dadurch erlernt der Körper, Temperaturschwankungen besser auszuhalten und auch mit größeren Temperaturabweichungen gut zurechtzukommen. Also das, was im Volksmund gerne als Abhärtung bezeichnet wird.

Aber Abhärtung ist ein hartes und abschreckendes Wort! Das wäre auch gar nicht im Sinne Kneipps. Seine Worte, dass „ich nach langjährigem Erproben und Verabreichen von Anwendungen zu dem Schluss gekommen wäre, dass nur die sanfte Anpassung das einzig Richtige wäre“, gelten noch heute. Ungeübte sollten sich langsam herantasten und den Körper nach und nach an die Kaltanwendungen gewöhnen. Ein harter, kalter Guss am untrainierten Körper löst Stress aus und schadet mehr, als dass er nutzt. Hat sich der Körper aber erstmal daran gewöhnt, kann auch schwimmen in kaltem Wasser eine Option sein.

Doch welche Vorteile bietet die Abhärtung durch kaltes Wasser? Durch Kälte verbrennt der Körper Kalorien und die Anzahl an weißen Blutkörperchen kann erhöht werden, was wiederum das Immunsystem stärkt. Zudem wird die Aktivität der Schilddrüse angeregt und der Körper lernt wieder sich selbst zu wärmen. Dies geschieht durch die Produktion von Unterhautfettgewebe und braunen Fettzellen. Anstatt Energie zu speichern, wie weiße Fettzellen es tun, verbrennen braune Fettzellen diese Energie und wärmen so den Körper. Lassen sich die braunen Fettzellen dauerhaft aktivieren, können pro Tag 200 bis 400 Kalorien verbrannt werden. Hat der Körper zu wenig braune Fettzellen, wird er Kälte gegenüber empfindlicher. Dieser Mangel wird letztendlich durch Zittern ausgeglichen.

Auch psychisch geht es uns besser, wenn der Körper kalten Temperaturen ausgesetzt wird. Bei Kälte schüttet er die sogenannten Glückshormone Noradrenalin, Dopamin und Endorphine aus, was Stimmung, Aufmerksamkeit und Fokussierung positiv beeinflusst. Wir fühlen uns wacher, sind positiv gestimmt und voller Energie.

Der größte Effekt ist jedoch bei der Schmerzlinderung zu erzielen. Durch die Anwendungen mit kaltem Wasser verengen sich die Arterien, wodurch Entzündungen gehemmt werden. Jeder kennt die Behandlung von Prellungen und Sportverletzungen mit Kühlpacks, um Schwellungen zu vermeiden. Zudem wird dabei der Austritt von Flüssigkeiten aus Lymph- oder Blutgefäßen reduziert. Dieser Effekt tritt auch bei chronischen Krankheiten wie Rheuma, Neurodermitis und Schuppenflechte ein und wird erfolgreich in der Schmerztherapie eingesetzt.

Aber wie kann man dieses Wissen nun zu Hause anwenden? Auch da weiß der Kneippianer Bescheid! Güsse, Wickel und Wassertreten sind angesagt. Je nach Beschwerdebild und individuellen Bedürfnissen bieten sich Tau- oder Schneetreten, das Armbad, der Gesichtsguss, der Knieguss oder – für die ganz Erfahrenen – der Vollguss an. Also keine Angst vor der Kälte, auch wenn sie noch so verpönt sein mag. Einfach mal selbst testen!

Einen Erfahrungsbericht zum Selbstversuch lesen Sie hier.

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