Wussten Sie schon, wie viel Meter Stoff in den historischen Kostümen von „Otthalm“ und „Christina“ vernäht sind?

Historische Kostüme nach Maß – Patricia Honold ist Meisterschneiderin und kleidet „Otthalm“ und „Christina“ ein

Wie Patricia Honold lebt und arbeitet – davon träumen viele. Das Atelier der „Meisterschneiderin“ findet man im Bad Wörishofener Stadtteil Schlingen – wunderschön gelegen, mitten im Grünen, das Wohnhaus nebenan.  Gespannt betritt man die Räumlichkeiten und wird dort nicht enttäuscht – fleißige junge Damen sitzen über Nähmaschinen, Patricia Honold empfängt uns strahlend.

Man merkt, dass sie glücklich ist und ihren Traumberuf ausüben darf. Gerade wieder hat sie ein Kostüm an die Bayerische Staatsoper nach München geliefert – aber nicht nur Theater und Bühne gehören zu ihren Kunden. Auch Faschingsvereine und Musikkapellen, historische Gruppen, Bräute und Brautmütter oder auch Privatpersonen, die sich ein maßgeschneidertes Gewand wünschen, stattet Patricia Honold aus. Nach einem ungewöhnlichen Auftrag gefragt, erzählt sie von einem Hunde-Schlafsack, den eine Dame für ihren geliebten Vierbeiner von ihr hat schneidern lassen. „Er sollte ganz kuschelig sein, weil der Hund wenig Fell hatte“, erzählt Honold lachend.

Dass auch solche Aufträge kein Problem für sie sind, beweist die Vielseitigkeit der gelernten Damen- und Herren-Schneidermeisterin. „Dass jemand beides kann, ist eher ungewöhnlich“, erklärt Honold. Sieben Jahre Ausbildung insgesamt, u.a. an der Deutschen Meisterschule für Mode in München, hat sie absolviert. Dort stand das Handwerk im Vordergrund: alte Techniken, Schnitt-Technik und auch Design, Kostümgestaltung und Zeichnen gehörten zum Lehrplan.

Wir kommen anlässlich des Stadtjubiläums „950 Jahre Wörishofen“ zu ihr. Für den Einakter zur Stadtgeschichte der Pfarrer Kneipp Grund- und Mittelschule Bad Wörishofen,  der beim Festakt im Kurhaus zur Aufführung kommt, werden für die beiden historischen Hauptdarsteller entsprechende Kostüme benötigt.  Gar nicht so einfach war es, die richtigen Vorlagen passend zur damaligen Zeit zu finden. Aber auch hier weiß Patricia Honold Rat. Die Erfahrung hat sie beim Schneidern für das Mindelheimer Frundsbergfest gesammelt, das sie schon seit vielen Jahren ausstattet.

Auch Recherche gehört zu den Aufgaben einer Schneidermeisterin, insbesondere wenn es um Aufträge mit historischem Hintergrund geht. Man merkt schnell, man ist bei einem echten Profi. Wunderschöne Stoffe werden uns zur Auswahl präsentiert. Gespannt und freudig verlassen wir nach dieser ersten Vorbesprechung das Atelier und kommen gerne zu einer zweiten wieder.

Für Patricia Honold beginnt die Arbeit dann erst so richtig: Sind die Vorbesprechungen abgeschlossen, geht es an die Stoffbestellung, Stoffmuster werden anfordert, ein Konzept erstellt, Zeichnungen angefertigt. Sie geht auf Materialsuche, Hersteller werden abtelefoniert, um abzuklären, wer die gewünschten historischen Stoffe zur Verfügung hat. Dann muss als nächster Schritt Maß genommen werden bei unseren jungen Darstellern, danach Schnitte gezeichnet, Stoffe zugeschnitten und gebügelt werden. Abschließend Kanten versäubern und Zusammensetzen aller Teile, dann folgen die Feinarbeiten: in unserem Fall Verzierungstechniken mit feinen Borten und Knöpfen, die Verschlüsse anbringen – und dann endlich die erste Anprobe!

Acht bis zehn Stunden reine Näharbeit und Schnittfertigung liegen hinter Patricia Honold, und das pro Kostüm. Für das Kleid mit Mantel unserer „Christina“ werden insgesamt sechs Meter Stoff verarbeitet, für „Otthalm“ sind es etwas weniger. Aber der große Aufwand hat sich gelohnt – stolz schlüpfen unsere Darsteller in ihre Kostüme – die Freude ist ihnen anzusehen, anfangs noch etwas schüchtern und ehrfürchtig vor dem feinen Zwirn, werden sie nach und nach lockerer und gehen ganz natürlich mit ihren Gewändern um. Genau so soll es sein!

Ein paar kleine Änderungen sind noch notwendig, denn schon bald steht die erste Probe im Kostüm im Kursaal an, dafür soll alles sitzen. Und das lässt sich Patricia Honold dann auch nicht entgehen – die Meisterschneiderin liefert höchstpersönlich und möchte sich selbst davon überzeugen, wie ihre Arbeit auf der großen Bühne wirkt. Wir sind jetzt schon ganz verzaubert!

Info: Einakter zur Stadtgeschichte „Christina von Fronhofen & Otthalm de Werenshova“, Aufführung im Rahmen des Festakts am Donnerstag, 29. Juni 2017 im Kurhaus Bad Wörishofen.

Von Anna Schluifelder

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